Sanitätshaus Weinmann

Gibt es eine Erfolgsformel für Innovation?
Wie finden Ideen für morgen den Weg in das unternehmerische „Jetzt“?
Auf dem 14. Bauerfeind-Branchenforum am 21. November gab es dazu Inspiration aus dem Silicon Valley, Handlungsempfehlungen einer Medizinsoziologin und Beispiele aus den Reihen der 421 teilnehmenden Qualitätspartner vom Sanitätsfachhandel und der Orthopädie(schuh)technik.

Der Dialog mit der Zukunft begann bereits am Vorabend des Branchenforums im Hamburger Grand Elysée Hotel, als Gastgeber und amtierender Vorstandsvorsitzender Prof. Hans B. Bauerfeind dem Publikum seinen Nachfolger persönlich vorstellte. Rainer Berthan nahm neben ihm auf der Bühne Platz und zusammen mit Technikvorstand Andreas Lauth sprach man über gute Entscheidungen, gemeinsames Vertrauen und die Kniebandage GenuTrain. Man war sich einig: Innovationen sind keine Schnellschüsse, sie brauchen Mut, kreative Menschen und Zeit – beim Entwickeln wie beim Etablieren.

Google und die Kraft der Fragen

Neue Ideen müssen wachsen können, sagte auch Google Innovationschef Dr. Frederik G. Pferdt in seiner Keynote zum Future-Ready-Mindset. Bei einem Live-Experiment zeigte er, wie man Denkweisen umprogrammieren kann. Er bat die Anwesenden, sich eine Zukunftsidee als „Was wäre, wenn“- Frage vorzustellen und sie mit jemandem zu teilen. Dann sollte das Gegenüber die Vision weiterspinnen und fragen, was sich daraus ergibt, wenn es so kommt.

Durch dieses vielfache Stellen von Fragen gelänge die Psychologie des Offenen. Auf jedes gedachte „Was wäre, wenn“ sollte ein „Ja, und“ folgen, kein „Ja, aber“, um so unsere gelernte Suche-und-Finde-den-Fehler-Mentalität auszuschalten. „Fragen begeistern und laden andere ein, mit Ihnen eine Lösung zu erdenken. Das schafft Vertrauen. Führen Sie mit Fragen anstatt mit Antworten zu leiten“, so Pferdt. Er plädierte dafür, jeder Idee 30 Tage Zeit zu geben, sie auszuprobieren und von Erfolg und Misserfolg zu lernen. Das öffne das Unternehmen und die kreative Energie würde exponentiell ansteigen. Der „Chief Innovation Evangelist“ empfahl, mit Routinen zu brechen. „Wir müssen auch in Dinge investieren, von denen wir noch nicht wissen, ob sie funktionieren. Deshalb gehe ich selten zweimal in dasselbe Restaurant.“

Gute Ideen im Sanitätshaus – Vier Beispiele aus der Praxis

Ihren Bruch mit Routinen teilten daraufhin vier Bauerfeind-Qualitätspartner auf dem Podium: Rahel Weidlich übernahm mit ihrer Schwester vom Vater das Sanitätshaus Frohnhäuser. Sie brachte weiblichen Führungsstil in das Mainzer Traditionshaus und baute ein Versorgungsnetzwerk für Brustkrebspatientinnen auf mit Kliniken, Reha-Sport-Anbietern und Tätowierern für Mamillen-Rekonstruktion.

Jörg Weinmann vom Sanitätshaus Weinmann in Göppingen investierte in 3-D-Druck, einen eigenen Außendienst und eine Akademie, die Seminare für Patienten und Fachpublikum, wie z.B. Wundexperten, anbietet. Nach 8 Jahren, 100 Veranstaltungen und 2.700 Teilnehmern sieht er im Know-how-Transfer sein stärkstes Marketinginstrument und setzt konsequent auf Digitalisierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Geschäftsführer André Schikora von Pudel Orthopädie-Schuhtechnik GmbH in Ludwigsburg berichtete vom laufenden Projekt eines Bio Labs für datenbasierte Leistungsdiagnostik auf dem Fahrrad. Das Bike-Fitting Projekt baut den sportwissenschaftlichen Fokus von Pudel weiter aus. Schikora fördert diese Idee eines Mitarbeiters, der Konzept und Markenworkshop gleich mitlieferte.

Nicola Marx von der Manufaktur Meisterschuh Berlin GmbH aus Berlin-Kreuzberg erzählte, wie sich sein Unternehmen für die Orthopädieschuhtechnik öffnete. Meisterschuh stellt Schuhe nach Maß in reiner Handarbeit mit Traditionswerkzeugen her. Die Idee schöne orthopädische Maßschuhe in Kombination mit Einlagenversorgung anzubieten, kommt an. Mittlerweile ergänzen Kompressionsstrümpfe und Bandagen ihr Angebot: Meisterschuh ist seit Spätsommer Bauerfeind-Qualitätspartner.

Führung verändern, um Neues zu entwickeln

Nach Inspiration von Technikkonzern und Branche führte Dr. Martina Oldhafer in ihrer Keynote ins konkrete Change Management mit Handlungsempfehlungen für Führungskräfte. „Wertschätzen Sie alles“, war die Ansage der Medizinsoziologin, „stärken Sie die Stärken Ihrer Mitarbeiter und durchforsten Sie die Sprache in Ihrem Unternehmen, damit Kommunikation gelingt.“ Beim Wahren von Tradition und Wagen von Innovation gilt es Wissen und Erfahrung zusammenzubringen und wertzuschätzen, wer am Erfolg beteiligt ist. Das seien Wirtschaftspartner, Kunden und das Mitarbeiterteam, mit dem man gemeinsam überzeugt. Hier kommt Wandel mit einer Generation, die sich nicht nur beruflich selbst verwirklichen will. Wie Pferdt sah auch Oldhafer in Führung die Aufgabe, zu fördern – orientiert an den Stärken des Einzelnen als Macher, Analytiker, Visionär oder Vermittler. Mitarbeiter dürfen nicht zum Abarbeiter reduziert werden, es muss die Möglichkeit zum Pitch geben für Ideen und Aufgaben und auch eine fest geregelte Zeit für freies Ausprobieren. Führung hieße, andere erfolgreich zu machen.

Was ändert sich in der Gesundheitsbranche?

Die Abschlussdiskussion mit Alf Reuter (Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik), Istok Kespret (HMM Deutschland GmbH), Dr. Frederike Escher-Brecht (Barmer.i) und Dr. Martina Oldhafer ging das Thema Zukunft gestalten leidenschaftlich und kontrovers an. Was soll auf einem E-Rezept stehen und wer übernimmt die Auswahl, Arzt oder Fachhandel? Wie lassen sich Verhandlungen mit Krankenkassen effizienter gestalten? Geht Hilfsmittelversorgung komplett digital? Wie wird Versorgung besser, schneller und bleibt leistbar? Die Meinungen und Ziele gingen auseinander, gemeinsamer Nenner blieb der Fokus auf den Patienten. Oldhafer fasste zusammen: „Der Einzelne macht den Menschen nicht gesund. Bedürfnisse werden steigen, auch nach Kontakt. Und Qualität wird sich durchsetzen!“